Die Trolle gewinnen

by slowpoke

Das RaumZeitLabor hat ein Problem, und zwar sowohl ein kulturelles als auch ein soziales. Ich habe eigentlich keinen Bock mehr auf die Diskussion, weil es am Ende doch nur stumpfes Getrolle ist, aber ich muss meine Meinung dazu trotzdem mal festhalten. Und dazu muss ich etwas ausholen.

Wer das RZL schon länger kennt, kennt auch unsere berüchtigten “Pony-Diskussionen”. Das ganze hat seinen Urspruch in der sonntäglichen Pony-Time, die vor vielen Jahren mal von ein paar Mitgliedern im RZL begonnen wurde, und die über die Jahre direkt oder indirekt zu massiver Frontenbildung im RZL geführt hatte. Das ging so bis 2013, wenn ich mich recht erinnere. Mitglieder nennen diese Zeit scherzhaft die “Pony-Kriege”, die zwischen den “Hatern” und den “Bronies” tobten. Manche Aktionen – von beiden Seiten – waren lustig, die meisten aber einfach nur nervig und generell anstrengend für das Raumklima.

Inzwischen hat sich das grösstenteils gelegt, unter anderem, weil die meisten der vokalen Teilnehmer*innen entweder keinen Bock mehr hatten, oder nicht mehr ins RZL kamen – teils aus unrelatierten Gründen, teils aber auch schlicht, weil sie rausgeekelt wurden.

Das bringt uns auch schon zu einem der Dinge, die ich in der Einleitung angesprochen habe: das RZL hat ein soziales Problem. Eigentlich mehrere, aber das hängt alles zusammen. Unser Space ist bekannt dafür, dass wir gerne trollen – so sehr, dass Menschen sogar eine Veranstaltung rund ums Trollen organisiert haben, die drei mal stattfand (und hoffentlich nie wieder). Das Problem ist, dass ein Grossteil der Trolle nicht weiss, wann sie aufhören müssen. Wann sie Grenzen überschreiten. Wann sie einfach nur noch nerven, und wann ihre Aktionen dazu führen, dass andere Menschen keine Lust mehr haben, am Leben im Raum teilzunehmen oder Dinge für den Raum zu machen. Wann ihr Verhalten potentielle neue Menschen abschreckt. Dieses Getrolle führt dazu, dass alle verlieren.

Die Troll-“Kultur” im RZL hängt zusammen mit dem Leitspruch “Wer macht hat Recht” und dem Anspruch, möglichst wenig explizite Regeln zu haben. Und ganz ehrlich: eine riesige Regelbürokratie will auch keine*r, das war, so meine Auffassung, auch die ursprüngliche Intention dahinter. Das funktioniert aber in einer Gemeinschaft nur begrenzt, speziell wenn diese Gemeinschaft mittlerweile mehrere Dutzend Menschen (Mitglieder sowie Nicht-Mitglieder) umfasst, und es funktioniert ganz besonders nicht, wenn gleichzeitig besagte Troll-“Kultur” existiert.

Auch hat das RZL so das generelle Nerd-Problem, dass die soziale Kompetenz vieler Menschen eingeschränkt bis mangelhaft ist, und dazu bei vielen mit fehlender Selbstreflektionsfähigkeit gepaart ist. Das führt dazu, dass soziale Probleme im Raum lange vor sich hinbrodeln, weil keine*r sie anspricht, und Konflikte sehr oft nicht offen besprochen werden, sondern durch Proxy-Getrolle ausgefochten werden. Die Pony-Diskussionen und -Trollaktionen sind dabei nur das grösste und am längsten bestehende Beispiel.

Dies wiederrum koppelt sich mit “Wer macht hat Recht”. Im RZL – wie eigentlich in der Hackerszene im generellen – herrscht bei vielen die Ansicht, dass wir™ ja eine Meritokratie seien, und deswegen ja alle nach dem bewertet werden, was sie tun, und nicht danach, wer sie sind. So zumindest das tl;dr. Warum das scheisse ist und nicht funktioniert, habe ich hier (Text auf Englisch) auch schon mal länger ausgeführt. Die Kurzfassung ist, dass dadurch soziale Probleme wegdefiniert werden, ungeachtet der bestehenden Verhältnisse innerhalb einer Gemeinschaft. Und genau das nutzen die Trolle im RZL aus – denn wer etwas tut, hat ja automatisch recht, und wenn Menschen sich aus sehr berechtigten Gründen beschweren, dann sind sie dafür verantwortlich, das Problem zu lösen, und nicht der/die Troll(e), die damit angefangen haben. Das ist übrigens ähnlich, wenn diskriminierende Sprüche oder Witze gemacht werden, und bei Hinweis darauf nicht die Person zurechtgewiesen wird, die dafür verantwortlich war, sondern diejenige, die darauf aufmerksam macht. Mehrfach so passiert.

Und nur damit das Ausmass des Problems klar wird: es wurde im RZL bereits mindestens eine Person offen aus dem Raum und der Gemeinschaft gemobbt, mit Aktionen, die komplett unter aller Sau waren, und aller Wahrscheinlichkeit nach gesundheitliche Auswirkungen auf besagte Person hatten (Details dazu werde ich hier nicht posten, weil ich nicht will, dass besagte Person da irgendwie wieder reingezogen wird. Die meisten Laborant*innen sollten wissen, um wen es geht). Konsequenzen oder wenigstens eine Entschuldigung gab es dafür bis heute nicht, unter anderem weil die Personen, die am Mobbing beteiligt waren, halt viele Dinge für den Raum tun, und deswegen ja automatisch mehr Wert haben, weil Meritokratie. Und das war jetzt wirklich nur der schlimmste Fall, damit ihr ein Bild davon habt, was hier teilweise abgeht. Ich übertreibe nicht.

Ich habe auch ganz ehrlich langsam echt keine Lust mehr, dagegen zu halten. Es kostet unnötig Zeit und Energie, und es ist generell einfach nur zum Kotzen. Und mit der Ansicht bin ich nicht alleine – diverse Menschen haben mir gegenüber bereits geäussert, dass sie keine Lust mehr haben, weiter gegen eine Wand aus Getrolle, sozialer Inkompetenz, und Böswilligkeit (ja, anders kann ich das nicht mehr nennen) anzukämpfen. Sie geben auf, und die Trolle gewinnen.

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